Die Horror – Ehe zwischen revolutionären Marxisten und radikalen Islamisten

Aprilausgabe Jüdische Rundschau 1https://juedischerundschau.de/article.2026-04.der-sturz-des-schahs-1979-die-horror-ehe-zwischen-revolutionaeren-marxisten-und-radikalen-islamisten.html

Von Bettina Röhl und Wolfgang Brümmer

Ein eklatantes Beispiel dafür, wie die deutsche APO (außerparlamentarische Opposition) Ende der sechziger Jahre, und später die gesamte Westlinke, mit ihrem linksextremistischen schlauen Bauch  und ihrer hybriden Selbstüberschätzung die fatal falschen Weichen gestellt haben, die nur wenige Jahre später, 1979, mit zu einer weltpolitischen Katastrophe, nämlich zu dem heute noch herrschenden islamistischen Terror – Regime im Iran geführt haben, war die damals völlig irregeleitete Einschätzung der Verhältnisse im Iran.

Wie in unserem Buch „So macht Kommunismus Spaß“ beschrieben, hatten die von Rudi Dutschke angeführten „Pop – Revolutionäre“, wie wir sie genannt haben, in der Bundesrepublik, im Juni 1967 den Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, als dieser zusammen mit seiner Frau Farah (Diba) Pahlavi, Anfang Juni 1967 Deutschland besuchte, für ein paar Wochen zu ihrem absoluten Hassobjekt erkoren.

In diesem Sinne hatte der iranische Intellektuelle Bahman Nirumand, der zusammen mit anderen persischen Auslands – Studenten in Deutschland 1960 die „Konföderation Iranischer Studenten“ (CIS/NU) in Heidelberg mitbegründet, eine marxistisch – maoistische Gruppierung, die sich dem „Sturz des Schah – Regimes durch revolutionären Kampf“ verschrieben hatte, die westdeutsche Studentenbewegung angeheizt gegen den Schah mobil zu machen.

Zur Erinnerung: Die im Wohlstand aufgewachsenen, über Nacht sozialistisch – kommunistisch gewordenen bundesdeutschen Studenten, die seit 1966 nach dem Vorbild der maoistischen Rotgardisten in China kulturrevolutionär deutsche Universitäten besetzten, den „Neuen Menschen“ ausriefen, auf der Seite des Stalinisten Ho Tschih Minh gegen den Krieg in Vietnam protestierten, träumten damals in einem demokratischen, satten, aufstrebenden Westdeutschland  von „Stadtguerilla“ und Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und Revolution. Die Ikonen der krawalligen Studenten waren Staatsterroristen wie Che Guevara, Fidel Castro und Mao Tse Tung.

In seiner Kampfschrift „Persien – Modell eines Entwicklungslandes“ das im März 1967 im Rowohltverlag erschien und welches durch die Ereignisse des Schah – Besuches am 2. Juni 1967 in Berlin angeschoben eine Gigantauflage von 180 000 Exemplaren erreichen sollte, hatte Nirumand die Errungenschaften der „Weißen Revolution“, die der Schah seit Anfang der sechziger Jahre mit erstaunlichem Erfolg ins Werk gesetzt hatte, mit Abscheu verkannt und stattdessen ein Horrorbild des Iran und eines bösen Diktator Pahlavi gezeichnet.

Die Journalistin Ulrike Meinhof (Mutter der Autorin Bettina Röhl),damals eine der prominentesten Stimmen der später 68er – Bewegung genannten außerparlamentarischen Opposition, machte auf ihrem Kolumnenplatz in der linken Zeitschrift „konkret“ mit ihrer Polemik „Offener Brief an Farah Diba“ in diesem Sinne Stimmung gegen den Schah und verhalf so dem Buch ihres Freundes Bahman Nirumand entscheidend mit zum Erfolg. Es war eine konzertierte Aktion: der Konkret – Verleger Klaus Röhl (Vater der Autorin Bettina Röhl) hatte die Kolumne seiner Frau zusätzlich als Flugblatt in einer Massenauflage in Hamburg drucken und nach Berlin transportieren lassen, wo es im Audimax unter den Studenten verteilt wurde.

Mit den Worten „Guten Tag, Frau Pahlawi“ hatte Meinhof ihre Polemik begonnen und in ihrer Kolumne sämtliche Anschuldigungen aus dem Buch von Nirumand zu einem Generalangriff auf den Schah verdichtet. Sie schrieb: Guten Tag, Frau Pahlawi, die Idee, Ihnen zu Schreiben, kam uns bei der Lektüre der »Neuen Revue« vorn 7. und 14. Mai, wo Sie Ihr Leben als Kaiserin beschreiben. (…) Sie erzählen da: »Der Sommer ist im Iran sehr heiß, und wie die meisten Perser reiste auch ich mit meiner Familie an die persische Riviera am Kaspischen Meer.« »Wie die meisten Perser« – ist das nicht übertrieben? In Balutschestan und Mehran z. B. leiden »die meisten Perser« – 80 Prozent – an erblicher Syphilis. Und die meisten Perser sind Bauern mit einem Jahreseinkommen von weniger als 100 Dollar. Und den meisten persischen Frauen stirbt jedes zweite Kind – 50 von 100 – vor Hunger, Armut und Krankheit. Und auch die Kinder, die in 14tägigern Tagewerk Teppiche knüpfen – fahren auch die – die meisten? – im Sommer an die Persische Riviera am Kaspischen Meer? (…)

Der Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger, damals einer der linksradikalen Deutungsfürsten der APO – Bewegung, forderte in einem Nachwort zu Nirumands Buch, notdürftig kaschiert, alle Leser zu einer gewaltsamen Revolution im Iran oder Deutschland auf: „Jetzt stellen wir das Buch zu den anderen Büchern ins Regal. Dann betrachten wir sorgfältig unsere Hände. Sie sind völlig leer, und merkwürdig weiß“. Kein Schießpulver und kein Blut an der Hand!

Bahman Nirumand zu diesen Ereignissen am 1. Und 2. Juni 1967 im Interview mit der Autorin Bettina Röhl 2005:  „Der erste Zufall war, dass der Schah wenige Wochen nach Erscheinen meines Buches nach Deutschland kam. Der zweite Zufall war, dass die FU mich eingeladen hatte, am Vorabend des Schahbesuchs in Berlin einen Vortrag zu halten über den Iran. Das wurde angekündigt, und sobald es angekündigt war, hat sich die iranische Botschaft an das Auswärtige Amt gewandt und gesagt, das geht nicht (…) Dadurch eskalierte alles. (…) Der Artikel von Ulrike, der „Offene Brief an Farah Diba“ wurde an diesem Abend des 1. Juni an der Uni verteilt. Das Audimax war voll, es war die größte Versammlung, die es bis dahin an der Universität gegeben hatte (…) Wir, also die Konföderation Iranischer Studenten, waren jetzt alle aktiv, und wir hatten überall Demonstrationen organisiert, wo der Schah hinkam, in Hamburg, Bonn, Berlin und dabei halfen uns auch der SDS mit Rudi Dutschke und viele andere linke Gruppierungen. Es gab einen fünfköpfigen Vorstand der Konföderation Iranischer Studenten, in den ich jetzt hineingewählt wurde, und durch diese Organisation konnten wir, egal wo auf der Welt – wir waren im ganzen Westen, in Amerika, in Japan, Indien, Frankreich, England, vertreten – , innerhalb von 48 Stunden demonstrieren, Aktionen, zum Beispiel Hungerstreiks durchführen, Botschaften besetzen (…) Ohne diese Auslandsopposition wäre er auch nicht so leicht gestürzt (…).“

Das Märchen von 1001 – Nacht von dem bösen Schah und den guten linken Demonstranten und den Schah – Hassern der Iranischen Konföderation, die in Berlin am 2. Juni 1967 gegen den Schah und seine Frau Farah protestierten, nahm seinen Lauf. Während der Auflösung der Demonstration durch die Polizei, wurde der deutsche Student Benno Ohnesorg von dem Berliner Polizisten Kurras (der allerdings kein verkappter Alt – Nazi war, wie es jahrzehntelang hieß, sondern der 2009 als Stasiagent entlarvt wurde), erschossen. Ohnesorgs Tod am 2. Juni 1967 erschütterte die Bundesrepublik bis ins Mark und gilt gemeinhin als Durchbruch der 68er – Bewegung in Deutschland. Das Zusammenwirken der deutschen Protestlinge mit einigen wenigen iranischen Oppositionellen, erzeugte im Westen eine Art Medien – Tsunami gegen den Schah von Persien und destabilisierte dessen Herrschaft. Nirumand, im persönlichen Umgang ein außerordentlich freundlicher Mensch, betätigte sich im Iran als geistiger Brandstifter.

Der Schah von Persien war ein Glücksfall für das Entwicklungsland Persien

In seiner Titelgeschichte „Sieben Nächte Jubel“ rückte DER SPIEGEL im Oktober 1967 die verdrehten Tatsachenbehauptungen Nirumands gerade: „Nirumands Buch erschien im März 1967. Das Reformprogramm des Schahs begann im Januar 1963. Nirumand vermittelt dennoch das Bild eines Steinzeit-Persien (…).“ Aber selbst ein detaillierter Faktencheck des Spiegel bleibt wirkungslos. Das Nirumand – Bild von Persien setzte sich durch.

Mohammad Reza Schah Pahlavi war ein Anderer, als ihn die „Iranische Konföderation“ vorstellte und die westliche Linke ihn damals sah und teils bis heute sehen will. In dem damaligen Kontext war ein fortschrittlicher Schah, der das Land Persien modernisieren und aus dem Mittelalter in die Neuzeit führen wollte und dafür in den sechziger Jahren mit seinen Reformen in Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur mehr bewirkt hatte als alle durch Revolution an die Macht gekommenen kommunistischen, sozialistischen Systeme der Geschichte, nicht vorgesehen.

Der Schah war in seiner Regierungszeit von 1941 – 1979 objektiv ein Glücksfall für den Iran. Er war ein westlich orientierter, liberaler Modernist, dessen Hauptanliegen es war die Wirtschaft des sehr rückständigen Landes zu modernisieren und den Feudalismus abzubauen, zum Beispiel durch die Enteignung des klerikalen und weltlichen Großgrundbesitzes zu Gunsten der Bauern, die das Land bewirtschafteten. Und er baute in Persien Infrastruktur im Schnellgang auf.

Die Frauen, die allgemein 50% eines Volkes ausmachen, emanzipierte er gegen die Widerstände der Mullahs und gab ihnen Gleichberechtigung bei der Scheidung, Teilhabe an der Bildung und das aktive und passive Wahlrecht. Immerhin in der Schweiz und in Portugal erlangten die Frauen das Wahlrecht erst 1971 und 1974. Ein Kopftuch – Verbot hatte sein Vater bereits 1938 nach dem Vorbild Atatürks durchgesetzt. Wie sich angesichts der liberalen Frauenpolitik der Schah – Dynastie, die die Frauen im Iran über 40 Jahre lang von islamistischen Fesseln befreit hatte, das grauenhafte Märchen vom Volksunterdrücker – Regime im Westen bis heute anhaltend durchsetzen konnte, bleibt erklärungsbedürftig! Der Schah öffnete sein Land für einen westlichen Lebensstil und drängte das Scharia – Recht noch weiter als sein Vater es getan hatte, zurück. Er führte einen zielstrebigen Kampf gegen das Analphabetentum, baute Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und soziale Bildungseinrichtungen und er setzte Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in den Industriebetrieben durch. Das Ganze nannte sich „Weiße Revolution“. Der Schah stand einer konstitutionellen Monarchie vor und musste sich mit Parlament und Regierung auseinandersetzen. Tatsächlich war der Schah vor allem kraft der iranischen Tradition die mächtigste Figur im Land, aber eben keine Allmächtige.

Dann betrat Ayatolla Komeini die Weltbühne, zunächst noch unbemerkt

Fast 40 Jahre lang hatte der 1902 geborene islamische Geistliche, Ruholla Khomeini, von 1923 bis 1963 islamisches Recht in der iranischen Stadt Gom unterrichtet und sich dort einen Namen gemacht. Dann rief er in einer Versammlung zum Widerstand gegen die „Weiße Revolution“ des Schahs auf. Khomeinis Aufruf vom 3. Juni 1963 richtete sich insbesondere gegen das aktive und passive Wahlrecht der Frauen und die Abschaffung des Heiratsalters von 9 Jahren, sowie gegen die Enteignung des klerikalen Großgrundbesitzes. Er bezeichnete den Schah als den „Tyrannen der Zeit“

Der Aufruf Khomeinis und seine dann folgende Verhaftung führte zu gewalttätigen Unruhen in einigen Städten, an denen nur wenige tausend Menschen beteiligt waren, die der Schah mit rigorosen Mitteln niederschlagen ließ. Aber es war so etwas wie ein Funke einer neuen islamistischen Bewegung entstanden. Khomeini sollte zum Tode verurteilt werden. Doch zwei Ajatollahs riefen ihn in einer Teheraner Moschee kurzerhand zum Ajatollah aus, was ihm de facto Immunität verlieh. Khomeini wurde unter Hausarrest gestellt, doch am 28.Oktober 1964 hielt er erneut eine Brandrede. Und forderte die Führer aller islamischen Länder auf, den Muslimen des Iran zu Hilfe zu eilen:

„[…] Amerika ist die Quelle unserer Probleme. Israel ist die Quelle unserer Probleme. Und Israel ist Amerika. Diese Minister sind alle aus Amerika. Alle sind amerikanische Lakaien. (…) Die Gesetze dieses Parlaments sind illegal. (…)Ich bete zu Gott, dass er all diejenigen vernichten möge, die dieses Land, den Islam und den Koran verraten haben.“ Am 4. November 1964 wurde Khomeini verhaftet und mit einer Militärmaschine in die Türkei (Bursa) in die Verbannung geflogen. Danach lebte er im Irak und später im Exil in Frankreich.

Die Geburtsstunde der bis heute relevanten Welt – Horror – Ehe

Im Juni 1966 trafen sich eine Delegation der Iranischen Konföderation in der Stadt Najaf im Irak mit dem dort im Exil lebenden Ayatollah Khomeini, um über ein konzertiertes marxistisch – islamistisches Vorgehen gegen den Schah zu verhandeln.

Spätestens dies war die Geburtsstunde der bis heute relevanten Welt – Horror – Ehe zwischen revolutionären Marxisten/Maoisten und radikalen Islamisten,zwischen atheistischen Terroristen und theistischen Terroristen: gemeinsam vereint gegen den Schah und gegen den erklärten Todfeind USA. Im Fall Khomeinis kam natürlich Israel hinzu. Der erkenntnistheoretisch unauflösbaren Widerspruch dieser beiden Lager wurde beiseite gewischt. Beide Seiten hielten sich für oberintelligent und überlegen das Zweckbündnis zur Beseitigung des Schah mit der anderen Seite einzugehen, nach dem Motto, wenn der gemeinsame Feind besiegt ist, dann werden wir mit unserem Partner (Gegner) schon locker fertig. In der damaligen politischen Umwelt gewannen seit den sechziger Jahren eigentlich immer die Linken, die entsprechend die Mullahs nicht so ganz für vollgenommen haben dürften. Aber es kam anders: 1979, nach dem Sturz des Schah und der Gründung der islamischen Republik Iran, haben sich die Verhältnisse umgedreht: nicht mehr der Kommunismus zieht, sondern der Islamismus hat seit damals die stärkere Durchsetzungskraft und die größere Bindungswirkung.

1970 erschien das Buch „Der islamische Staat“, aus Reden und Vorlesungen Khomeinis zusammengeschrieben, eine Art „Mein Kampf“ des Ajatollah Khomeini. Seit 1971 wurden im Iran zunehmend islamistisch – marxistische Terrorgruppen aktiv. Sie verübten Anschläge und Attentate im Iran.

Persepolis

Im Herbst 1971 veranstaltete der Schah das größte iranische Fest aller Zeiten, die 2500 – Jahresfeier des Persischen Reiches seit Kyros dem Großen um 550 v.Chr. Geladen waren 600 internationale Gästen und etwa 60 Könige und Präsidenten aus aller Welt. Die Gäste wurden in einer eigens errichteten Luxus – Zeltstadt („Golden City“) untergebracht, es gab französisches Essen von Maxim’s in Paris, 250 Mercedes 600 – Limousinen und eine aufwändige von Pariser Designern hergestellte Dekoration. In deutschen und internationalen Medien wurde über die drei Tage dauernden „Persepolis – Feiern“ überschwänglich berichtet und live per Satellitenfernsehen übertragen. Es sei die „prunkvollste Party der Geschichte“, „The Show of Shows“ (Time – Magazine). Der Dokumentarfilm, engl. „Flames of Persia“ mit Orson Welles als Erzähler pries sie als Feier von 25 Jahrhunderten.

Doch nach einigen Tagen drehte sich die Weltstimmung. Den Anfang machten vernichtende Äußerungen Khomeinis aus seinem Pariser Exil. Er bezeichnete die Feier als antiislamisch und erklärte die Teilnehmer an dieser Feier zu Feinden des Islam, es sei ein „Fest des Teufels“. „Die Welt soll wissen, dass dieses Fest nichts mit dem Iran zu tun hat, und dass die, die an diesem Fest teilgenommen haben, Verrat am Islam und dem iranischen Volk begangen haben.“ 

Auch die „Iranische Konföderation“, die inzwischen auf der ganzen Welt im linken Milieu vernetzt war, hetzte professionell. Und tatsächlich kippte die Stimmung gegen den Schah weltweit. Vier Jahre nach dem Eklat 1967 in Berlin zeigten sich die Früchte der subversiven sozialistischen Verdrehung der Wirklichkeit von Nirumand, Enzensberger, Meinhof und tausenden aufgeheizten Schah – Hassern. Die Geschichtsschreibung verbösert den Schah seitdem routiniert.

Abdolreza Ansari, ein früherer langjähriger Minister des Schah, der für die technische Organisation der Feierlichkeiten zuständig war, bewertete die Ereignisse von Persepolis in einem 2002 geführten Interview wie folgt:

„In den fünfziger Jahren wurde Iran von der Staatengemeinschaft als ein unterentwickeltes Land betrachtet. In den sechziger Jahren waren wir zum Entwicklungsland aufgestiegen. In den siebziger Jahren sahen viele Staatsgäste, die nach Persepolis gekommen waren, Iran als ein Land mit einer reichen Geschichte, das auf dem Weg war, ein voll entwickelter Industriestaat zu werden. Viele Kritiker hatten vergessen, dass die Feierlichkeiten von Persepolis nur der festliche Teil eines Entwicklungsprogramms waren. Für den Schah bot Persepolis die Möglichkeit, der Welt zu zeigen, dass Iran an politischer Bedeutung gewonnen hatte. Die vielen nachhaltigen Investitionen in die Infrastruktur des Landes, die im Rahmen der Vorbereitung der Feierlichkeiten getätigt worden waren, wie Schulen, Straßen, Telekommunikationsnetze, Flughäfen, Fernsehübertragungsmöglichkeiten, Hotels und Touristenressorts waren den Kritikern keine Silbe Wert.“[12]

Der Schah hatte das Fest „2500“ Jahre Persien in einem Stil gefeiert, der alle Vorstellungen sprengte. Aber ein Schah allein konnte nicht gegen die Allianz der erstarkenden Oppositionskräfte aus Islamisten und marxistisch – maoistischen Kommunisten auf der ganzen Welt ankommen. Die Jahre von 1971 bis 1978 waren gekennzeichnet durch einen permanenten Machtverlust des Schah, der dynamisch anschwoll.

Der Sieg des Ayatollahs

Unter dem Schutzschild des in Frankreich traditionell heiligen Asylrechts rief ein ausgewiesener Islamist am 12. Januar 1978 von Paris aus erstmals zum Sturz des Schah auf. Im Iran gab es von da an eine anschwellende Massenbewegung gegen den Schah. Eine Schah – Gegnerschaft, die nicht mehr begründet zu werden brauchte.

 Am 19. August 1978 wurde das Cinema Rex in Abadan in Brand gesetzt. Das Kino war zuvor mit Benzin übergossen worden, die Fluchtwege waren versperrt worden und es verbrannten 377 – 470 Menschen. Diese Höllentat schoben die wahren Täter, die Islamisten (heute unstreitig), dem Schah in die Schuhe, und das brach dem Schah endgültig das Genick. Danach explodierte der allgemeine Hass gegen den Schah. Tragisch: Wäre die Tat als die Tat von Islamisten erkannt worden, nämlich als der blutigsten Terroranschlag vor dem 11. September 2001, die iranische Geschichte und auch die Weltgeschichte wäre anders verlaufen!

Am 16. Januar 1979 verließ der Schah den Iran. Am 1. Februar 1979 flog Khomeini aus dem Pariser Exil ein und übernahm das Land. Am 1. April 1979 wurde die Islamische Republik Iran ausgerufen. Das gesamte linke Lager machte mit. Und wurde dann seit Mitte 1979 systematisch eliminiert. Das schlagende, oft tödliche Argument: ungläubig, gottlos, so wie es sich für eine echte Theokratie gehört.

  1. ↩︎